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Lesezeit: 6 Min. | Autor: FM



Regulierung von Glücksspiel in Deutschland

Ein Jahrzehnt haben Bund und Länder an einer einheitlichen Lösung für den Glücksspielmarkt in Deutschland gearbeitet, um zum 1. Juli 2021 alle Angebote zu regulieren. Eine eigenständige Aufsichtsbehörde agiert von Halle Sachsen-Anhalt aus und wird bundesweit die Kontrolle des Gaming-Markts im Internet übernehmen sowie die Lizenzierung von Online Casinos und Spieleanbietern. Die Änderungen sind für Kunden und Unternehmen gravierend und es gibt nicht wenige, die davon ausgehen, dass es im Zuge des Inkrafttretens des neuen Glücksspielstaatsvertrags zu Klagen kommen könnte.

Casino ist im Internet tabu

Den Begriff Online Casino hat der Staat ausgehebelt und für die Monopole in den Bundesländern vorbehalten. Wer im Casino spielen möchte, muss also die staatliche konzessionierte Spielbank vor Ort besuchen, denn im Internet wird mit der Regulierung des Glücksspielwesens in Deutschland in Online-Spielhallen gespielt.

In jedem Fall setzen von Nachgefragt.net geprüfte Online Casinos die neuen Richtlinien bereits seriös um. Dabei wird es auch zu einer Abgrenzung im Spielangebot kommen, was sich bereits im Rahmen der Übergangsphase abgezeichnet hat. Es gab viel Widerstand, am Ende haben die Landesparlamente es jedoch durchboxen können, dass Betreiber nur noch das virtuelle Automatenspiel, Poker und Sportwetten anbieten dürfen.

Bild: Pixabay.com

Damit ist das "Große Spiel" wie Roulette, Blackjack und andere Tischspiele gemeint, online nicht mehr verfügbar. Hierfür ist vorgesehen, im Zuge der Legalisierung eine kleine Auswahl von Lizenzen zu vergeben, die allerdings jedes Bundesland vergeben kann. Damit droht dem deutschen Spieler ein Flickenteppich, da nur Angebote im eigenen Land genutzt werden dürfen. Ob dies so umsetzbar ist, wird die Praxis zeigen. Schlussendlich sind die Kosten bei Live Dealer Spielen deutlich höher als bei gewöhnlichen Slots und die Gewinnmargen auf Seite der Provider geringer.

Mehr Spielerschutz beim Online-Glücksspiel

Deutschland hat die Gesetzgebung im europäischen Vergleich äußerst streng ausgelegt. Viele stoßen sich daran, dass es nur noch möglich sein wird, bis zu 1.000 Euro im Monat einzuzahlen und das gilt anbieterübergreifend. Mehrere Konten bei verschiedenen Anbietern pflegen und Bonus abstauben wird also bedeutend schwieriger werden. Darüber hinaus wird es auch Ausnahmeregelungen im Bereich von 2 Prozent der Kunden geben. Gut betuchte Kunden werden bis zu 30.000 Euro einzahlen können, allerdings auch einige Nachweise vorlegen müssen, um die Herkunft des Geldes nachvollziehen zu können. Abgesehen von den neuen Regeln im Bereich Einzahlung gibt es zahlreiche Veränderungen beim Spielen.

Wer Spielautomaten einen Einsatz tätigen möchte, kann nicht mehr die vom Hersteller ausgewiesene Spanne nutzen, denn jeder Slot unter deutscher Lizenz unterliegt einem Höchsteinsatz von maximal 1 Euro pro Spin. Dazu kommt eine 5-Sekunden-Regel, die eine Spielrunde andauern muss. Das klingt zunächst plausibel, der erfahrene Automatenspieler wird hierbei allerdings ungeduldig, denn oft ist es die Regel, per Automodus zu spielen, um jede Drehung der Walzen automatisch zu starten. Dazu kommt ein Sperr-Button, der in jedem Spiel und auf der Plattform zu jederzeit sichtbar sein muss, um eine sofortige 24 Stunden Sperre auslösen zu können. Das soll bei einem größeren Verlust zur Selbstreflexion beitragen und den Spieler vor den weitreichenden Folgen bei problematischen Spielverhalten schützen.

Steuern und Sperren beim Glücksspiel

Im terrestrischen Bereich wird eine Spielbankenabgabe angewendet, die von den Bruttospielerträgen je nach Regelung im Bundesland einen Steueranteil an den Fiskus abführt. Beim Online-Glücksspiel ist eine Spieleinsatzsteuer auf der Spielerseite in Planung und wird somit direkt auf die ohnehin schon stark limitierte Einsatzhöhe abgewälzt. Die Regelung sieht vor, den Einsatz am Automaten sowie am Pokertisch mit 5,3 Prozent zu besteuern. Das wird nachhaltig Einfluss auf die Auszahlungsquote der Spiele nehmen, da die meisten mit Ausschüttungsraten von über 96 Prozent so nicht mehr profitabel für die Anbieter sind.

Für den besseren Spielerschutz ist zudem im neuen Glücksspielgesetz vorgesehen, Intervalle einzurichten, nach denen ein jeder Kunde seine Einzahlungen im Monat festlegen kann, zudem wird bei jedem Login angezeigt, was für Gelder gewonnen und verloren wurden. Im Übrigen ist auch eine Denkpause vorgesehen, wenn sich beim Anbieter abgemeldet wird, dann ist für 5 Minuten kein Einloggen bei anderen Glücksspielanbietern möglich. Ein als besonders suchtfördernd eingestuftes Spielformat wurde mit den progressiven Jackpots gänzlich verboten.

Es darf zwar nach Jackpot-Automaten geben, diese dürfen allerdings nicht nur die Einsätze der Spieler gespeist werden. Auf der anderen Seite darf es diese attraktiven Automatenspiele mit Jackpot-Netzwerk in stationären Spielhallen weiter geben.

Vielen Spielhallen und Spielotheken droht das Aus

Deutschland hat eine Abstandsregelung ausgelobt, die mit der Neuregulierung des Glücksspiels landesweit vorgesehen ist. Obwohl es bereits in einigen Bundesländern Debatten für Aussetzung gibt, wird der Großteil der Länder die Mindestabstandregelung durchsetzen. Das bedeutet, dass eine Abstandsvorgabe zwischen Spielhallen von 500 Metern gesetzlich verankert ist, was vielerorts zu Schließungen führen muss. Auch der Abstand zur nächsten gelegenen Oberschule darf nicht unter 200 Metern liegen. Das wird den stationären Markt hart treffen, der ohnehin bereits durch die Zwangsschließungen während der Corona-Pandemie massive Einbußen zu bewältigen hatte und Abertausende Angestellte in der Branche in Kurzarbeit waren.




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